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Vom 22. März bis 23. April 2005 hat Optikermeister Gerd Dietrich für den Verein (Entwicklungsdienst deutscher Augenoptiker) in Dungu/Kongo eine Werkstatt eingerichtet und vier Personen ausgebildet. Bericht von Gerd Dietrich:
Der Einsatzort ist das Krankenhaus, ein Flachbau im Karee mit etwa 100 m Seitenlänge. In der Mitte eine grosse quadratische Grasfläche. Dieses Krankenhaus wurde vor 6 Jahren während des Krieges vollständig abgebrannt und ist dank finanzieller Unterstützung des Msf. (medicins sans frontieres) wieder einigermassen aufgerichtet worden. Im Hinterbau liegt das Depot, in dem etwa 500 kg optisches Material in 18 St. 200 Liter-Ölfässern, grösseren und kleineren Holz- und Aluminiumkisten gut verschweißt bzw. verpackt liegt. Mit Hilfe einiger Krankenhausangestelten, deren Anzahl sich aber wegen zunehmender Neugier ständig vergrößerte, wurden diese Kisten und Fässer von mir geöffnet und der Inhalt überprüft. Unzählige, über 10.000 Brillen in Deutschland gesammelte Brillen mussten erst einmal mit in Seifenwasser gefüllten Plastikschüsseln eingeweicht, später gebürstet, gespült und getrocknet werden. Inzwischen suchte ich mir ein für die Brillenversorgung geeignetes Lokal in 1a-Lage direkt neben dem Augenarzt am Eingang des Krankenhauses aus. Der dort arbeitende Zahnarzt musste ausziehen. Ich hatte zwar schon 4 Wochen vorher über Email um Stromversorgung gebeten, diese war aber nicht erfolgt. Unter schwierigen Bedingungen ist es mir gelungen, Kabel und die nötigen Steckdosen zu besorgen und nach meinen Vorgaben installieren zu lassen. Bei einer Schreinerei mit Maschinen aus den 20er Jahren bestellte ich stabile Werktische nach Maß zum Aufstellen der Maschinen. Stühle und eine Tafel mit Kreide für den theoretischen Unterricht konnte ich im Krankenhaus organisieren. Inzwischen waren schon 13 Tage vergangen. Die Brillen waren gewaschen und sortiert, der Raum soweit eingerichtet und wir konnten umziehen.
Jetzt konnten wir an das Aufstellen der Maschinen denken. Es waren mehrere von ihnen mitgeschickt und geliefert worden. Leider wurden sie vorher nicht auf Funktion überprüft, denn sie lagen schon ab Oktober 2004 an Lager. (Meine Empfehlung: der zum Einsatz kommende Seniorexperte solte bei einem technischen Einsatz unbedingt die Möglichkeit haben, vor dem Versand die Maschinen auf richtige Funktion zu überprüfen. man erspart sich dadurch eine Menge Arbeit und Mühe. Von Versandkosten dadurch Gewichtsersparnis gar nicht zu reden.) Diese Menschen brauchten 3 Monate, um per Schiff durch Ägypten den Nil hoch bis in den Sudan und dann mühsam per Lastwagen bis in den Kongo gekarrt zu werden. Um es kurz zu machen: wir hatten bei allen 3 in Frage kommenden Maschinen Probleme mit der Wasserpumpe. Bei einer fiel ständig die Sicherung nach kurzem Betrieb aus, die nächste hatte Probleme mit der Wasserzufuhr, die ich durch Umbau aber nur teilweise beheben konnte. Bei der 3. Maschine konnte ich die Wasserzufuhr ausbauen und reparieren. Ein Problem mit der Aufnahme von Gummisaugern für die Brillengläser konnte ich durch Auswechseln mit dem der anderen Maschine beseitigen.
Jetzt konnten wir ernsthaft anfangen mit Brillenglas-Schleifübungen. Ich hatte mir durch vorherige Intelligenz- und Geschicklichkeitstests 1 weibliche und 2 männliche Schüler ausgesucht. Ein zusätzlicher Schüler wurde mir auf ausdrücklichen Wunsch des Augustinerpaters Ferdinand aus dem 300 km entfernten Amadi ‘aufs Auge gedrück’. Ständig mussten sie Brillengläser anzeichnen, zentrieren, vorschleifen, bröckeln und in Fassungen einschleifen. Am Ende des Einsatzes konnte ich mit dem Ergebnis zufrieden sein. jeder hat einen gesunden Formensinn entwickelt, die notwendige Präzision erlernt und im Ganzen verstanden, worauf es ankommt.
Zwischendurch gab es ständig theoretischen Unterricht und es kamen auch immer wieder neue Zuhörer aus der Bevölkerung und aus dem Krankenhaus, die sich dafür interessierten. Nun konnten wir anfangen, auch die Wünsche der ersten Kunden zu erfüllen. Wir hatten vorher schon viele Anfragen, wann wir denn jetzt endlich die ersten Brillen anfertigen können. Durch ‘Verkaufsgespräche’ wies ich meine Adlaten auf die unzähligen Probleme hin, die beim Bedienen auftreten können. Es wurde ein ‘Menü’ Verkaufsgespräche angefertigt.
Inzwischen hatte ich auch einen Verkaufstisch und Regale anfertigen lassen. Die ersten Kunden kamen. Jetzt kam es zur Generalprobe. Jeder Schüler musste nun die vorher vom Kunden ausgewählte Brille verglasen und Zeitpunkt der Abgabe angeben und nach Maß anfertigen. Während der letzten Woche habe ich meine Schüler vollkommen selbstständig arbeiten lassen. Nach jedem Kundengespräch wurden dann Gesprächsfehler gemeinsam korrigiert, Montagepräzision und Brillenanpassung überprüft ebenso wie Quittungserstellung, Inkasso und Buchführung erklärt. Es wurde noch ein Türschild ‘CENTRE LUNETTERIE DUNGU’ angefertigt, ebenso ein Stempel mit dem gleichen Emblem. Ich habe vor meinem Abflug ein meiner Meinung nach vollkommen autonom arbeitendes Institut hinterlassen, das jetzt auch ohne meine Anwesenheit die anfallenden Arbeiten allein erledigen kann und sehe deshalb meinen Einsatz als gelungen an.
Dungu ist nun die einzige Stadt in deren Umkreis von 250 km Brillen nach Maß angefertigt werden können. Der Standort wurde sehr gut von den Initiatoren der Idee, dem Bischoff der Diözese Dungu und Bruder Hans von den Augustinern aus Würzburg erkannt.
Zum Abschluss wäre noch zu sagen, dass dieser Einsatz nicht ohne die tatkräftige Unterstützung der eben genannten Personen, der ausgewählten Schüler, der Kirche von Dungu (Abbè Andrè) und dem Entwicklungsdienst Deutscher Augenoptiker (Herrn Scheich) möglich gewesen wäre. Dafür möchte ich mich noch einmal recht herzlich bedanken. -Bericht Gerd Dietrich-
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